07. Juli 2026

1000 Stühle, 1000 Bäume – Wie eine Idee Köln verändert

Wie lässt sich das Stadtklima verbessern – und gleichzeitig das gesellschaftliche Miteinander stärken? Ein Kölner Projekt zeigt, dass dafür manchmal überraschend einfache Ideen genügen: Stühle und Bäume. Deshalb trägt es den programmatischen Namen 1000 Stühle 1000 Bäume. Auch wenn längst noch nicht alle Stühle aufgestellt und erst wenige Bäume gepflanzt sind, ist die Richtung klar. Der Anfang wurde 2024 gemacht, inzwischen wächst das Projekt sichtbar weiter.

Dörte Gatermann und „ihre“ Stühle. – Foto: Elke Tonscheidt

Mit Prof. Dörte Gatermann (Foto) steht eine Persönlichkeit an der Spitze der Initiative, die Hartnäckigkeit und Herzlichkeit auf besondere Weise verbindet. Seit Jahrzehnten beschäftigt sie sich mit der Frage, wie öffentliche Räume zu Orten werden können, an denen Menschen sich gerne aufhalten, begegnen und ihre Stadt erleben.

Kennengelernt habe ich das Projekt durch das hdak Haus der Architektur Köln, für das ich mehrere Monate gearbeitet und zuletzt eine Veranstaltung moderiert habe. Dieser Termine bleibt mir besonders in Erinnerung: der 19. Juni 2026. Es war ein sehr heißer Sommertag auf dem Kölner Neumarkt – und zugleich der Auftakt zum zweiten Kölner Sommer mit den inzwischen beliebten roten Stühlen.

Mit einer Drohne fotografiert … Photo: HGEsch

Kaum stand der erste Stuhl auf Kölns größtem Platz, war er besetzt. Mit den nächsten war es nicht anders. Immer wieder schicken mir Menschen, die wissen, dass ich die Aktion begleitet habe, seitdem Fotos vom rot gesprenkelten Neumarkt. Aus weiter Ferne wirken die roten Stühle wie kleine Farbtupfer – und zugleich wie eine Einladung, den Platz nicht nur zu überqueren, sondern ihn zu nutzen. Manche sprachen schon 2025 vom Flair einer kleinen italienischen piazza …

Aufenthaltsorte statt Verkehrsflächen

Genau darin liegt die Idee des Projekts. Öffentliche Plätze sollen wieder Aufenthaltsorte werden – nicht bloß Verkehrsflächen. Dass dieses Konzept funktioniert, zeigte auch die Resonanz bei der Eröffnung. Kölns Bürgermeisterin Derya Karadag, erste Stellvertreterin des Oberbürgermeisters und selbst überzeugte Unterstützerin der Aktion, erinnerte sich schmunzelnd an den ersten Kölner Sommer: „Ich war schwanger – und ich war so froh zu sitzen.“

Derya Karadag im Interview mit Elke. Prof. Dörte Gatermann hört zu. – Photo: HGEsch

Bis heute habe ich kaum jemanden getroffen, der dieser Aktion nichts abgewinnen konnte. Gleichzeitig wird leicht unterschätzt, wie viel Engagement, Überzeugungsarbeit und Ausdauer hinter einem solchen Projekt stehen. Dörte Gatermann sagt oft, der öffentliche Raum habe „keine Lobby“. Gerade deshalb setzt sie sich seit Jahrzehnten dafür ein. Für sie ist der öffentliche Raum das gemeinsame Wohnzimmer der Stadt – ein Ort, der allen gehört und deshalb besondere Aufmerksamkeit verdient.

Warum lohnt es sich also, 1000 Stühle 1000 Bäume zu verfolgen?

  • Der öffentliche Raum ist der demokratischste Ort einer Stadt. Hier begegnen sich Menschen unabhängig von Alter, Herkunft oder Einkommen.
  • Städte brauchen Orte zum Verweilen, nicht nur zum Durchqueren. Plätze gewinnen an Qualität, wenn sie zum Aufenthalt einladen.
  • Gute Gestaltung verändert Verhalten. Wo Menschen gerne sitzen, Schatten finden und sich wohlfühlen, entstehen Begegnungen, Gespräche und Nachbarschaft.
  • Baukultur endet nicht an der Gebäudefassade. Auch Plätze, Straßen und Freiräume prägen die Lebensqualität einer Stadt.
  • Große Veränderungen beginnen manchmal mit kleinen Gesten. Ein roter Stuhl oder ein neu gepflanzter Baum kann zeigen, welches Potenzial ein Ort besitzt – und eine Diskussion über seine Zukunft anstoßen.

Mehr über dieses Projekt ist hier zu erfahren.

Und so hat Inge Swolek für den Kölner Stadtanzeiger berichtet.

Photos: HGEsch / E.T.

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