30. März 2022

Unser Leben mit Oksana und Vera – mein Tage­buch

Mon­tag, 13.6.22 – 110 Tage nach Kriegs­be­ginn

Es ist viel pas­siert und ich hatte keine Worte. Auch heute fal­len sie mir schwe­rer als sonst, nicht nur, weil ich pri­vat ange­schla­gen bin. Aber gleich drei sehr unter­schied­li­che Ereig­nisse ver­an­las­sen mich, nun wie­der zu schrei­ben. Ers­tens hat Vera heute zum 1. Mal so etwas wie eine Vor-​​Kita besucht. Die Kleine hat sich, mehr oder weni­ger, „vor­ge­stellt“ und die bei­den Betreue­rin­nen waren von ihr und Mama Oksana sehr ange­tan. Ich werde dar­über berich­ten, wenn sie dort ange­kom­men ist. Schon jetzt: Ein wun­der­ba­rer Platz, den die Dietrich-​​Bonhoeffer-​​Kirche da für Kin­der geschaf­fen hat!

Zwei­tens sind es heute ganze 110 Tage nach Kriegs­be­ginn. Ob 99, 100 oder jetzt 110 – alles ist gru­se­lig lang und auch auf mich wir­ken sol­che Zah­len. Ich bin immer wie­der wie benom­men, wenn ich sehe, wie lange die­ser Kampf nun dau­ert und ich sehe die müden Gesich­ter „mei­ner“ Ukrai­ne­rin­nen. Und natür­lich steht gerade und vor allem der ukrai­ni­sche Prä­si­dent unter Druck – und hat das heute auch dem ZDF in einem Inter­view mit Selens­kyi vor Ort in Kiew mit­ge­teilt. Ich schaue bekann­ter­ma­ßen wenig Nach­rich­ten­sen­dun­gen am spä­ten Abend; hier war ich heute aber rich­tig, als ich end­lich mal wie­der ins Heute Jour­nal schal­tete.

Der dritte Grund ist aber viel per­sön­li­cher, denn als ich mich mal wie­der auf Face­book umsehe, was dort die bei­den Ukrai­ne­rin­nen, die bei mei­ner Schwes­ter und ihrem Lebens­ge­fähr­ten woh­nen, schrei­ben, bin ich zutiefst gerührt. Nicht, weil ich es nicht wüsste. Ich weiß ja, was ich für eine wun­der­bare Schwes­ter habe!! Aber dass Irina das so schreibt, das ist noch mal etwas ande­res. Irina, die ich nur ein­mal gese­hen habe, die ich aber sofort – genauso wie ihre Toch­ter – SOFORT total sym­pa­thisch fand. Ihre leuch­ten­den roten Haare, ihre auf­ge­weck­ten Augen, ihre Dyna­mik trotz all der schreck­li­chen, oft läh­men­den Ereig­nisse. Denn Irina hat bei mei­ner Schwes­ter und Oli ein Zuhause gefun­den und das beschreibt sie so:

„Zwei auf­rich­tige Her­zen, zwei große See­len, zwei wun­der­schöne Men­schen!
Ich bin froh dich ken­nen­ge­lernt zu haben! Schade das wir uns unter so trau­ri­gen Umstän­den getrof­fen haben.
Danke Uni­ver­sum, dass du mir so viele mensch­li­che Men­schen gege­ben hast!
Danke Sabina und Oli­ver das IHR jetzt für immer in mei­nem Leben seid!!!“

Sonn­tag, 29.5.22 – Trotz allem

Manch­mal kaufe ich mir die Welt am Sonn­tag. Meis­tens merke ich dann schnell, wie krass mich die­ser Fokus auf bad news irri­tiert, heute wie­der sehr. Ich könnte jetzt allein all die schlech­ten Über­schrif­ten vor­le­sen, die mich beim rei­nen Durch­blät­tern schon „ansprin­gen“: Alles ist schlecht, macht Angst, klappt nicht. Furcht­bar. Wer das liest, fühlt sich schlecht. Dabei bin ich sicher, dass so vie­les eben doch funk­tio­niert, Mut macht und gut ist. TROTZ ALLEM.

Und so finde ich dann auch wenigs­tens ein paar Arti­kel, die nicht vor­ran­gig „run­ter­zie­hen“. In Zuhause auf Zeit berich­ten zwei Redak­teu­rin­nen bei­spiels­weise über ein Ehe­paar, das in Bran­den­burg gleich 40 Ukrainer*innen ein Dach über den Kopf geschaf­fen hat. Lei­der wird aus den Gesprä­chen, die die Zei­tung dort mit Ukrai­ne­rin­nen geführt hat, auch meist Hoff­nungs­lo­ses zitiert…

Doch alles in allem zeigt der Bericht, dass es (auch) dort gut klappt.

Das Leben, man hofft es, wird wei­ter­ge­hen, irgend­wie“ lau­tet der Schluss­satz – und das ist doch schon etwas, auf das sich auf­bauen lässt! Ich werte es als ein gutes Zei­chen. Denn natür­lich gibt es auch in mei­nem ukrai­ni­schen Umfeld einen Grund­te­nor, der von Trau­rig­keit geprägt ist. ABER:

Trotz allem – die Stim­mung ist bei uns gut. Nach wie vor lachen wir viel und dis­ku­tie­ren Pro­bleme so, dass am Ende etwas her­aus­kommt, das Hoff­nung gibt. Und so wun­dert es mich auch nicht, dass die 16jährige Alisa auf meine Frage, wie es ihr nach drei Mona­ten in Köln geht, posi­tiv ant­wor­tet:

„Also, das Leben in Deutsch­land gefällt mir. Jetzt bin zufrie­den damit, wie wir woh­nen. Ich mag unsere neue Woh­nung, meine Schule, meine deut­sche Freunde, mei­nen deut­schen Unter­richt. Ich mag meine Plans über meine Zukunft in die­sem Land, und ich hoffe, es ist mög­lich für mich hier zu stu­die­ren.“

Dabei ver­schweigt sie mir NICHT, dass sie ihre Hei­mat ver­misst und wie gern sie – nach drei Mona­ten – ihren Vater wie­der­se­hen würde. Aber das stellt weder sie noch ich in den Fokus. So hat alles sei­nen Platz. Trotz allem. Und vor allem: sie schreibt das fast feh­ler­los, in deutsch! Nicht nur, dass sie toll eng­lisch spricht, nein:

Alisa hat es in drei Mona­ten geschafft, nicht nur deutsch zu ver­ste­hen und zu spre­chen: Sie kann es sogar schrei­ben!

Ich habe für das Zitat oben nur ganz wenig kor­ri­gie­ren müs­sen. Ist das nicht stark? Ja, das ist es!

 


Don­ners­tag, 26.5.22 – Eins

Liebe via Kuchen – this is love!

Am 1. Geburts­tag sei­ner Toch­ter nicht dabei zu sein, ist ein har­ter Moment. Veras Papa Vita­lii hatte genau die­sen ges­tern in Kiew. Als er uns über Whats­App „zuge­schal­tet“ ist, höre ich mei­nen Mann Chris­toph sagen: „Wir wür­den alles für deine Toch­ter tun!“ Das trifft es genau. Denn Vita­lii hatte sich bedankt, dass wir am 1. Geburts­tag sei­ner Toch­ter Vera ein klei­nes Fest machen. Dass der Tag vor allem auch für Mama Oksana schön wird, dafür gab es viele Helfer*innen:

Alisa, die ein wun­der­ba­res Video über „Ein Jahr Vera“ gezau­bert hat. Olga, die zwei schöne Luft­bal­lons und eine „Happy Birthday“-Kette zum Auf­hän­gen besorgt hat. Paul, unser Sohn, der einen Zitro­nen­ku­chen in Form einer 1 geba­cken hat. Chris­toph, der jede Party bei uns unter­stützt. Die Gäste, die alle gerne kom­men, um Oksana und Vera zu beglück­wün­schen.

Erleb­nis pur – ein PAV­LIN schlägt sein Rad.

Den Nach­mit­tag ver­brin­gen wir auf einem Erlebnis-​​Bauernhof. Der magischste Moment ent­steht, als Oksana, Vera und ich in einen Stall gehen und sich dort ein Pfau befin­det, der gerade sein schöns­tes Rad schlägt. WOW!

Es ist ein wirk­lich schö­ner Tag. Paul sagt am Tag davor im Auto, als ich ihn und einen Freund im Auto habe: Mor­gen habe seine Halb­schwes­ter Vera Geburts­tag. Wie schön, ihn das sagen zu hören. Er ist stolz auf seine ukrai­ni­sche Freun­din Vera. Was will man mehr vom Leben?!

 

 

Mon­tag, 23.5.22 – Über die Weh­mut

Mor­gen dau­ert der Krieg DREI Monate. Mitt­ler­weile kur­sie­ren auch in Talk Shows Begriffe wie „Abnut­zungs­krieg“ und ich lasse mich auf­klä­ren, dass damit das gemeint ist: Eine Mate­ri­al­schlacht oder auch ein Ermü­dungs­krieg, also begrenzte, län­ger anhal­tende mili­tä­ri­sche Kon­flikte, „in dem die bei­der­sei­ti­gen Ver­luste die mög­li­chen oder tat­säch­li­chen Gewinne weit über­schrei­ten“, wie Wiki­pe­dia weiß.

Das kommt auch bei uns an. Ich selbst bin zwar nicht müde, aber ich spüre die Müdig­keit, die nach­las­sende Ener­gie „mei­ner“ neuen Freun­din­nen. Das Baby wächst und gedeiht! Das ist die gute Nach­richt. Aber die Lage der Müt­ter – ich denke aller ukrai­ni­schen Müt­ter, egal wo sie sind – wird kom­ple­xer, weil wir alle mer­ken, dass es nicht schnell vor­bei sein wird. Es dau­ert (viel?) län­ger und die Fami­lien leben sich aus­ein­an­der, wenn sie sich getrennt haben. Wenn sie in der Ukraine geblie­ben sind, wer­den die Ver­hält­nisse vor Ort hef­ti­ger. Bei­des stimmt trau­rig, sehr sogar.

Die Stim­mung ist momen­tan belas­tet – es braucht etwas fri­schen Wind…

Was tun? Ver­ständ­nis zei­gen. Reden. Und fei­ern, wenn es Anlässe gibt. Vera wird am 25. Mai ein Jahr alt. Da haben wir ges­tern einen Plan gemacht und wer­den Mama und Geburts­tags­kind über­ra­schen. Und am Vater­tag wer­den wir auf Ein­la­dung mei­ner Freun­din Heike den 1. Fami­li­en­got­tes­dienst im neuen Vee­del mit­ma­chen – ein neuer Plan. Denn dort in der Gemeinde kann man sich auch gut ver­net­zen.

Mir hat ges­tern bei Anne Will die mitt­ler­weile Grünen-​​Politikerin Marina Weis­band sehr gut gefal­len. Die ehe­ma­lige Piraten-​​Politikerin, selbst in Kiew gebo­ren, hat sehr dafür gewor­ben, sich nicht mit die­sem Krieg abzu­fin­den und wünscht sich von unse­rer Bun­des­re­gie­rung, beson­ders von Kanz­ler Olaf Scholz, eine klare Linie. Die Ukraine müsse gewin­nen – solch kla­ren Worte ver­misse sie aus Scholz‘ Mund, beklagte Weis­band. Und wer das wolle, müsse das an Waf­fen lie­fern, was drin­gend gebraucht würde – auch da war sie sehr klar.

Wir leben von Tag zu Tag und, ja, wir leben gut hier in Köln, gar keine Frage. Wir tun vie­les, um zu ver­drän­gen, was die Rea­li­tät im Osten her­gibt. Es ist rich­tig für mich, auch wei­ter das Glas Was­ser halb VOLL zu sehen, nicht halb leer. Aber ich ver­stehe jede/​n gut, der/​die zwi­schen­durch ermü­det. Es hat sich ein Trop­fen Weh­mut dazu gemischt…

 


Sams­tag, 21.5.22 – Ablen­ken bei Saturn

Ein Kühl­schrank muss her, wäh­rend Vera abge­lenkt wird.

Es pas­siert wei­ter viel. Wir tref­fen uns, ob zum Besor­gen letz­ter Haus­halts­ge­räte wie der drin­gend benö­tigte Kühl­schrank, oder ob wir gemein­sam zum Sozi­al­amt gehen. Nach wie vor haben wir kei­nen Ter­min beim Aus­län­der­amt bekom­men kön­nen, aber ich habe es schrift­lich, dass wir uns des­halb nicht sor­gen brau­chen. Das ist gut, das gibt Sicher­heit. Und immer schön ist es, wenn unser Sohn dabei sein kann, z.B. ges­tern spon­tan, weil wegen der Unwet­ter­war­nun­gen die Schule frü­her aus ist. Vera ist dann immer schön abge­lenkt 🙂

Beim Sozi­al­amt tref­fen wir meist auf sehr kom­pe­tente wie freund­li­che Men­schen. Und natür­lich hilft es unge­mein, wenn Geflo­hene deut­sche Begleiter*innen an der Seite haben. Wenn neben uns am Schal­ter eine sechs­köp­fige Fami­lie ver­sucht, ihre Anlie­gen klar­zu­ma­chen, ist das eine andere Sache, als wenn ich mit der über­aus hilfs­be­rei­ten Sach­be­ar­bei­te­rin zwi­schen den Zei­len spre­chen kann.

Mein Tage­buch hat ja, neben der für mich selbst wich­ti­gen Doku­men­ta­tion, vor allem ein Ziel: Ande­ren Men­schen zu ver­deut­li­chen, wie gut es ist, ande­ren zu hel­fen. Wie­viel zurück­kommt, wie­viel mög­lich ist, wie­viel wir alle ler­nen. Das ist enorm. Und wich­tig. Und wenn mich Oksana mor­gens, nach­dem sie die Orkan­mel­dun­gen noch vor mir gele­sen hat, anschreibt und fragt, ob mein Mann auf Dienst­reise im Nor­den Deutsch­lands alles gut über­stan­den habe, freue ich mich über soviel Empa­thie. Und hoffe wei­ter, dass die Men­schen in den Kriegs­ge­bie­ten es auch bald über­stan­den haben!

 

 

Mitt­woch, 18.5.22 – Zwei Hähn­chen­brust­filets

Heute war wie­der Full House – Besuch aus der Ukraine. Ich wurde erneut mit einem Mit­tag­es­sen ver­wöhnt und Vera hat sich wie­der mit der Tisch­ten­nis­platte beschäf­tigt. Ein­mal Ball, immer Ball. Am meis­ten freut sie sich immer noch, wenn unser Sohn den Gar­ten betritt. Dann gluckst sie glück­lich und Mama sagt: „This is love.“

Oksana hatte vor­her eine trau­rige Geschichte erzählt, die ihr eine Freun­din, die in Ber­lin unter­ge­kom­men ist, erzählt hatte. Denn die hoch­schwan­ge­ren Frau, die nach Deutsch­land hat flie­hen kön­nen, macht sich große Sor­gen um ihre Mut­ter, die in der Ukraine im Koma liegt. Das sind sol­che Geschich­ten, wo man denkt: Um Him­mels wil­len, wie schreck­lich ist das? Denn natür­lich kann die Freun­din jetzt nicht zurück, wo sie doch ein Baby erwar­tet…

Damit möchte ich aber nicht schlie­ßen! Son­dern noch von den Erfol­gen berich­ten, die die Frauen hier im Deutsch­un­ter­richt machen. Die 16jährige Alisa lernt sogar neben ihrer Schule flei­ßig deutsch, aber auch die Müt­ter sind dabei. Olgas Lieb­lings­satz ist „Die Vögel sin­gen“… und Ali­sas Mut­ter hat heute im Super­markt an der Fleisch­theke beein­druckt, sagte sie doch: „Zwei Hähn­chen­brust­filets, bitte.“

Die haben wir spä­ter auch geges­sen, klein geschnib­belt im belieb­ten Salat Oli­vier. Und natür­lich hat „meine“ Oksana davon gleich eine große Tup­per­dose mehr gemacht, damit unser Sohn ihn auch genie­ßen kann… This is love… 🙂

 


Sonn­tag, 15.5.22 – Kaum weg, wie­der da

Der Umzug hat super geklappt. Viele hel­fende Hände, jeder mit sei­ner Kom­pe­tenz. Und am 1. Abend ech­ter Schmerz, nicht in den Kno­chen, aber im Her­zen.

Wie schnell sich Men­schen anein­an­der gewöh­nen, vor allem eben, wenn „die Che­mie stimmt“. Und der Humor passt. Oksana und ich kön­nen uns super die Pässe zuspie­len. Wie sagt man so schön? Frauen läs­tern nicht, Frauen kom­mu­ni­zie­ren 🙂

Und der 1. Besuch ließ auch nicht lange auf sich war­ten – schon Sams­tag waren sie wie­der da. Unser Sohn und zwei Jungs aus der „Stra­ßen­gang“ erwar­te­ten Vera zu einer klei­nen Erfri­schung im Gar­ten, plus Tisch­ten­nis­spiel. Denn Bälle liebt Vera beson­ders, egal wie groß oder klein sie sind. Mamas Traum vom Bal­lett ist momen­tan ein Traum, Papa Vita­lii liegt da mit sei­nem Fuß­bal­lei­fer klar vorne…

Und am Abend ging’s in Git­tes Gar­ten. Die Gast­el­tern von „Oksana 2“ hat­ten zur ESC-​​Party gela­den. Ich gestehe, ich schaue das Spek­ta­kel öfters, durch­aus mit gemisch­ten Gefüh­len, aber irgend­wie ist es eine schöne Tra­di­tion. Jetzt zusam­men mit unse­ren neuen Freun­den, bei Würst­chen & Kölsch, war es rich­tig nett. Das Leben geht musi­ka­lisch eben bes­ser wei­ter.

Übri­gens: Warum die vier Ukrai­ne­rin­nen mit ihren Kin­dern über­haupt hier in Köln Wid­ders­dorf sind, erklärt sich schnell: Alles lief über Yulia – die blonde Kran­ken­schwes­ter (mit­tig im Bild hin­ter den zwei Jungs) kommt ursprüng­lich aus der Ukraine. Sie war also der Erst­kon­takt für die ande­ren und wir hat­ten ein­fach Glück, gefragt zu wer­den, ob unser Zim­mer noch frei ist. War es! 🙂

Eine neue Gemein­schaft – und vier Per­so­nen (die Gast­el­tern von Olga und meine Jungs) feh­len sogar noch.

 

Frei­tag, 13.5.22 – Sachen suchen, fin­den und ein­bauen

Die letz­ten Sachen sind gepackt, zum 1. Mal habe ich auch Oksa­nas Ruck­sack gese­hen, mit dem sie aus Kiew in Deutsch­land ankam. Ihn haben wir eben im Auto ver­staut, mit dem wir zur neuen Woh­nung fah­ren wer­den. Oksana und Vera wohn­ten ja zunächst bei einer ande­ren Fami­lie, bevor sie am 18. März, auch ein Frei­tag, zu uns kamen. Nun steht der Ein­zug in die neue Woh­nung unmit­tel­bar bevor: Heute wer­den die Bet­ten auf­ge­baut, die Küche ange­schlos­sen und viele andere klei­nere Dinge erle­digt. Alles ist gut vor­be­rei­tet und ohne die Hilfe völ­lig frem­der Men­schen wären wir nicht soweit wie jetzt.

Eins von Veras Kleid­chen liegt oben­auf. Auch ein Geschenk lie­ber Men­schen, die Oksana hat ken­nen­ler­nen dür­fen.

Dazu zäh­len Sabine Frö­mel und Bay­rem – letz­te­ren haben wir erst ges­tern ken­nen­ge­lernt. Sabine ist eine Freun­din einer Freun­din – so läuft es ja immer beim Netz­wer­ken, eine kennt die andere. Sabine arbei­tet mit Leib und Seele im wun­der­schö­nen Laden „Die Sachen­su­cher“, den ich bis­lang gar nicht kannte! Obwohl er nur wenige Kilo­me­ter von uns ent­fernt ist. Wie sagte meine Freun­din Nici kürz­lich: „Was wir alles ken­nen­ler­nen, seit­dem die Frauen bei uns sind!“

Die Sachen­su­cher sind eine Koope­ra­tion zwi­schen dem Lot­sen­punkt des Kir­chen­ge­mein­de­ver­ban­des Brau­wei­ler – Geyen – Sin­thern und der Ehren­amts­ko­or­di­na­tion des Sozi­al­amts der Stadt Pul­heim. Das werde ich mir näher anschauen, denn es hat abso­lut super geklappt.

Sabi­nes Initia­tive haben wir es zu ver­dan­ken, dass jetzt nicht nur Küchen­mö­bel da sind, son­dern diese auch gelie­fert wur­den und auf­ge­baut wer­den: Dafür ist Bay­rem zustän­dig, über den ich auch noch schrei­ben wer­den. Denn uns allen war ges­tern bereits klar: Ein beson­de­rer Mensch, über den es sicher viel zu erzäh­len gibt…

 

Mitt­woch, 11.5.22 – Curry meets Ros­ma­rin

Ja, wir machen auch Pflan­zen­kunde… Ges­tern Abend sit­zen wir bei uns im Gar­ten und schauen, was wie­der neu blüht. Ich liebe es, wenn Altes neu sprießt. Auch meine Cur­rypflanze ent­wi­ckelt sich gerade sehr schön und ich erkläre Oksana und Olga, wie schön gelb ihre Blü­ten bald strah­len wer­den.

Sie schauen mich ungläu­big an. „Kein Ros­ma­rin?“, fragt Oksana. Nein, aber ähn­lich sieht die Pflanze ihm, das stimmt. In mei­nem Kräu­ter­beet fin­den wir dann auch Ros­ma­rin – und Oksana muss sehr lachen. Dazu müsst Ihr wis­sen, dass Oksana nicht nur gern kocht, son­dern auch gut im Backen ist. Viel­leicht ent­wi­ckelt nicht jede Mut­ter die­ses „Gen“, wenn kleine Kin­der im Haus sind, dass „man“ jetzt mal backen sollte… Ich erin­nere mich jeden­falls noch gut an die Situa­tion 2011, als mich meine Schwes­ter kurz vor dem 1. Geburts­tag unse­res Sohns fragt: Ich würde doch sicher einen Kuchen für ihn backen, oder? Hab ich dann, aber in mei­nen Genen liegt das Backen nicht. Obwohl ich seit­dem jedes Jahr eine neue Kuchen-​​Kreation wage …

Zurück zum Curry – Oksana hat es kürz­lich mal wie­der genutzt, und zwar tat­säch­lich beim Backen. Denn ich nenne sie meine „Cheesecake-​​Expertin“ :-), schon drei­mal hat sie einen sehr lecke­ren Käse­ku­chen geba­cken. Und zum ver­zie­ren kom­men nicht nur viele Bee­ren drauf, son­dern eben auch… Genau, ein biss­chen Curry.

Apro­pos: Viele wun­dern sich, dass das hier­zu­lande über­haupt wächst. Und sicher habe ich es nicht absicht­lich mal gepflanzt… es kam zu mir, wie so vie­les, was sich im Nach­hin­ein rich­tig anfühlt.

Noch rich­ti­ger aber fühlt es sich an, dass Oksana und Vera bei uns gelan­det sind – und ich freue mich, wenn sie nach dem Umzug ganz oft wei­ter unsere Gäste blei­ben. Mit und ohne Kuchen 🙂

 

 


Mon­tag, 9.5.22 – Grüße aus Frank­furt

Neben mei­ner „neuen“ Fami­lie gibt es noch eine Fami­lie mit hes­si­schen Wur­zeln, die mir sehr am Her­zen liegt. Seit drei Jahr­zehn­ten sind wir bekannt und wären nicht eine schlimme Erkran­kung und Corona dazwi­schen gekom­men, hät­ten wir uns längst wie­der gese­hen. So muss­ten wir Jahre war­ten, aber am Sams­tag war es soweit, Treff­punkt: Der Römer in Frank­furt. Des­halb konnte ich auch – meine sorella war natür­lich auch wie­der dabei – die bei­den Ukrai­ne­rin­nen ken­nen­ler­nen, die bei Oli und Sabine woh­nen. Und natür­lich wollte ich Irina & Alisa und „meine“ Frauen in Köln zusam­men­brin­gen.

Irina, Mut­ter von Alisa (Mitte), und ich in Frank­furt.
Oksana (rechts) und Olga grü­ßen die Ukrai­ne­rin­nen in Frank­furt zurück.

Voila… schnell waren die Videos gemacht, eins in Frank­furt vor dem Bücher­re­gal mei­ner Schwes­ter, eins im Gar­ten im Köl­ner Wes­ten. Denn Olga und Oksana haben natür­lich gleich geant­wor­tet. Inter­es­sant, wie­viel schwie­ri­ger es war, in Frank­furt für die 15jährige einen Schul­platz zu ergat­tern. Das war in der Stadt am Köl­ner Dom ein­fa­cher!

Dafür ist es in Köln unglaub­lich schwer, bei der Aus­län­der­be­hörde einen Ter­min zu bekom­men, um die Regis­trie­rung der Ukrainer*innen abzu­schlie­ßen. Ich habe nicht gezählt, wie oft wir die Seite geklickt haben, um dort fün­dig zu wer­den. Immer wie­der heißt es:

Nichts frei, man solle täg­lich ins Buchungs­sys­tem schauen. Das tun wir nun seit 4 Wochen!! So sehr ich ver­ste­hen kann, dass es Eng­pässe gibt, aber irgend­wie muss es doch wei­ter­ge­hen, oder?

 

Don­ners­tag, 5.5.22 – Schritt ins neue Leben

Kennt Ihr Sozi­al­kauf­häu­ser? Laut Wiki­pe­dia „eine erschwing­li­che Ein­kaufs­mög­lich­keit für Gebrauchs­gü­ter, Haus­halts­wa­ren und Tex­ti­lien“. In Köln kannte ich das BfO Basis­la­ger, das sich „Kölns Adresse für 2. Hand“ nennt – 2021 hatte ich dort­hin viele Sachen abge­ge­ben. Denn so bekommt das, was man nicht mehr braucht, eine zweite Chance und Men­schen mit gerin­ge­rem finan­zi­el­lem Pols­ter kön­nen zum klei­nen Preis etwas kau­fen. Eine sehr schöne Idee, finde ich.

Nun war ich also wie­der da – und wir wur­den gleich fün­dig. Denn: Oksana und Vera wer­den uns räum­lich ver­las­sen. Sie haben das Glück, dass ein ande­rer Gast­va­ter eine sehr schöne Woh­nung gefun­den hat, in die sie mit ihrer Freun­din und deren Toch­ter zie­hen kön­nen.

Ich weiß es schon ein paar Tage, des­halb kann ich es jetzt auf­schrei­ben – aber es fühlt sich zwei­schnei­dig an.

JA. Es ist der nächste wich­tige Schritt für sie! Und NEIN, wir sind so eng mitt­ler­weile, dass wir auch sehr trau­rig sein wer­den. Eben noch saß unser Sohn am Abend­brot­tisch, Vera auf dem Schoß… und in einer Woche soll der letzte Abend sein??

Wir wer­den einen guten Kom­pro­miss fin­den!! Uns viel gegen­sei­tig besu­chen und natür­lich wei­ter für­ein­an­der DA SEIN. Es sind rund 5 Kilo­me­ter dem­nächst zwi­schen uns, ein Klacks.

Und des­we­gen ist die­ses Tage­buch auch jetzt noch lange nicht zu Ende. Jetzt beginnt ein neuer, span­nen­der Teil: Wie geht es wei­ter? Wer sind die neuen Nach­barn? Eine Freun­din von mir, die in der Kir­chen­ge­meinde dort arbei­tet, hat schon ange­kün­digt zu unter­stüt­zen. Wir wer­den – gemein­sam – viele neue Erfah­run­gen machen…

Und dann noch das! Eine der ers­ten „Amts­hand­lun­gen“ mei­nes Man­nes war es, Vera die ers­ten pink­far­be­nen Schuhe zu kau­fen. Heute kam das 2. Paar an, das Chris­toph bestellt hatte. Denn Oksana ist auf der Suche nach Baby­san­da­len in Größe 18.

Voila, nun hat sie wel­che – und war über­glück­lich!

 

 

 


Mitt­woch, 4.5.22 – News aus Ost­fries­land

Ges­tern war mal wie­der Besuch von mei­ner Seite bei uns – zwei mei­ner bes­ten Freunde aus Mies­bach & Wup­per­tal. Mar­tin, gebür­tig aus Ost­fries­land, hat am Wochen­ende in Aurich ein zusätz­li­ches Bett auf­ge­schla­gen, denn jetzt beher­bergt er eine 5-​​köpfige Flücht­lings­fa­mi­lie aus der Ukraine in sei­nem Eltern­haus hoch oben im Nor­den Deutsch­lands. Oma, Mut­ter und drei Kin­der, der jüngste Sohn ist gerade 10 Jahre alt. Mar­tin konnte hel­fen, ihn auch gleich ein­zu­schu­len – in die glei­che Grund­schule, die Mar­tin selbst vor vie­len Jah­ren besucht hat…

Ralf (links) und Mar­tin haben mich in Köln besucht.

In unse­rem Köl­ner Wohn­zim­mer, in das sich eben auch „Ralli“ ein­fand (wir drei ken­nen uns aus Bon­ner Stu­di­en­zei­ten), haben wir uns aus­ge­tauscht über die Sor­gen, Nöte aber auch das kleine Glück ukrai­ni­scher Land­leute hier bei uns. Mar­tin ist sehr ange­tan, wie Oksana, Vera & Co bei uns „ein­ge­glie­dert“ sind.

Aber er hat kein gutes Gefühl, „seine“ fünf Gäste so allein im frem­den Haus, in einem frem­den Land zu las­sen. Soviele Behör­den­gänge, Pässe in ande­rer Spra­che und und und. Ich habe Mar­tin ver­spro­chen mich umzu­hö­ren, wer viel­leicht VOR ORT IN AURICH ein gutes Auge auf die Fami­lie wer­fen kann. Also, wer das liest hier, bitte bei Mar­tin Reents (oder mir) mel­den. Велике дякую!

 

 


Mon­tag, 2.5.22 – „Die 1. Pizza geht auf mich“

Sonn­tags ist bei uns oft Fuß­ball ange­sagt. Als Oksana hört, dass sie mit­ge­hen kön­nen, macht sie sich und Vera in Win­des­eile fer­tig. Man­che Müt­ter, die ich aus Deutsch­land kenne, wür­den dafür Mini­mum eine Stunde brau­chen 🙂 Oksana ist in 15 Minu­ten ready. Vera fin­det es auf dem gro­ßen Rasen vor dem Platz span­nend, v.a. sich am Git­ter fest­zu­hal­ten – und dann kommt auch noch ein drei­jäh­ri­ges Mäd­chen dazu, per­fetto.

Vera beim TPSK – den Zaun fand sie jeden­falls super 🙂

Groß­ar­tig übri­gens auch der deutsch-​​italienische Trai­ner. Die, die mich ken­nen, wis­sen, wie ich für Mario schwärme. Habe ihm bereits 2019 einen Bei­trag auf ohfa­moos gewid­met, der nach wie vor so passt. Als Mario jetzt hörte, kurz vor den Oster­fe­rien, dass unser Sohn auf seine 1. Italien-​​Reise geht, hat er ihm doch tat­säch­lich einen Umschlag  zuge­steckt, in dem es heißt: „Die 1. Pizza geht auf mich.“

Ich glaube, ich muss nicht wei­ter beschrei­ben, wie sehr so etwas unter die Haut geht. Mario denkt ein­fach an alles – wenn jemand in Qua­ran­täne war, hat er ihn besucht und ihm Auf­ga­ben gege­ben, um nur ein ande­res tol­les Bei­spiel zu nen­nen. Ja, es gibt sie, die Nächs­ten­liebe, ein schwe­res Wort, aber es beschreibt die Situa­tion ein­fach gut. Ich bin gespannt, was wir als Nächs­tes tun dür­fen. Etwas fin­den, wo man aktiv wer­den kann, ist ja so ein­fach, wenn man rich­tig hin­guckt!

Als ich Oksana im Auto auf der Rück­fahrt erzähle, dass Paul ver­mut­lich nicht zufrie­den sein wird (sie haben ver­lo­ren, jedoch gegen die 1. Mann­schaft in der Tabelle…) ruft Veras Bubuschka an. Oksana gibt mei­nen Ein­druck am Handy wei­ter. Ant­wort aus der Ukraine: „Give him cho­co­late!“ 🙂 Groß­el­tern ken­nen die ein­fachs­ten Mit­tel ein­fach immer. Ciao Kakao 🙂

 

 


Sams­tag, 30.4.22 – Bei Babuschka in Wup­per­tal

Ges­tern war ein sehr gemisch­ter Tag. Er beginnt damit, dass Oksana mir zwei Videos schickt, die Freunde aus Kiew auf­ge­nom­men haben – sie zei­gen die Deto­na­tion von Rake­ten mit­ten in Kiew, denn die ukrai­ni­sche Haupt­stadt war wäh­rend des Besuchs von UN-​​Generalsekretär Antó­nio Gut­er­res beschos­sen wor­den. Da sitzt man kurz vor dem Früh­stück mit Ukrai­ne­rin­nen im war­men Haus und sieht das. Unser Sohn fing sofort an zu wei­nen. Gott sei Dank ist Baby Vera auf­grund ihres Alters über­haupt nicht in der Lage, das Leid zu begrei­fen.

So große Hähne kennt Vera nicht…

Abge­lenkt haben wir uns in Wup­per­tal – meine Mut­ter hat Oksana und Vera zum 1. Mal ken­nen­ge­lernt. „Very very nice Babuschka“, sagt Oksana, als wir zurück nach Köln fah­ren, den Wagen voll gepackt mit Spen­den, u.a. der Zahn­ärz­tin mei­ner Mut­ter. Vera mochte natür­lich vor allem den tol­len Gar­ten.

Vitali Klitschko im Inter­view mit Nadja Krie­wald.

Und am Abend dann wie­der eine Nach­richt aus Kiew – meine Freun­din und TV-​​Journalistin Nadja Krie­wald ist wie­der in der Ukraine unter­wegs, u.a. berich­tet sie mir von einem Inter­view mit Bür­ger­meis­ter Vitali Klitschko.

Oksana erkennt sofort die Straße, wo Nadja ihre Auf­nah­men gemacht hat. Sie sagt, es seien nur 15 Minu­ten bis zu ihrer Woh­nung… Und wie­der die­ses Gefühl: Wir sind in Sicher­heit, so viele andere nicht…

 

 


Don­ners­tag, 28.4.22 – Bicken­dorf ist auch dabei

Und wie­der so schöne Geschenke. Es reisst nicht ab und es tut immer so gut, nicht an die graue, schreck­li­che Rea­li­tät in Kiew zu den­ken.

Olga bestaunt zusam­men mit Oksana die (fast) neue hüb­sche Klei­dung aus Bicken­dorf und Wup­per­tal.

Die Hilfs­be­reit­schaft, höre ich von Freun­den, sei bei Hilfs­or­ga­ni­sa­tio­nen etwas ein­ge­knickt; bei uns nicht. Nach wie vor klin­geln Nach­barn, kom­men Pakete mei­ner Mut­ter an oder mir sogar unbe­kannte Men­schen wie Wal­traud aus Bicken­dorf brin­gen Baby­klei­dung vor­bei.

Auch Olga (Foto links) freut sich mit Oksana über die hüb­schen Sachen, die von Her­zen kom­men. Olga ist ein paar Wochen spä­ter mit ihrem 17jährigen Sohn nach Köln gekom­men und eine ehe­ma­lige Arbeits­kol­le­gin von Oksana.

Jetzt haben wir auch das Pro­blem­thema Pin Code geknackt, denn die Spar­kasse hatte die­sen zunächst nicht schi­cken kön­nen bzw. ein „Post­rück­läu­fer“, hieß es, sei Ursa­che für die ver­spä­tete Lie­fe­rung. Es ist wich­tig, dass jede Ukrai­ne­rin ihr Konto hat und dar­über frei ver­fü­gen kann. Und die freund­li­che Kun­den­be­ra­te­rin der Spar­kasse Wid­ders­dorf schreibt mir: „Das stimmt, dass alles etwas kom­pli­ziert ist, aber nur gemein­sam sind wir stark.“

 


Diens­tag, 26.4.22 –Dort­mund gegen Kiew

Und schon wie­der schreibe ich über Fuß­ball. Denn als ich heute früh unse­ren Sohn zur Schule fuhr, hör­ten wir im Deutsch­land­funk: Heute Abend gibt es ein Bene­fiz­spiel zwi­schen Borus­sia Dort­mund und Dynamo Kiew. Da fiel mir als Aller­ers­tes natür­lich Vita­lii ein, Veras Papa in Kiew.

Ich hatte ja schon geschrie­ben, dass sich mein Mann und eben Vita­lii gern via Face­time über das Gesche­hen auf den grü­nen Rasen aus­tau­schen – heute Abend werde ich per­sön­lich dafür sor­gen, dass wir das Spiel sehen wer­den 🙂 Zumal es eben Bene­fiz ist und ich kann nur unter­strei­chen, wozu Schieds­rich­ter Patrick Ittrich vor dem Spiel auf­ge­ru­fen hat: Den Krieg in der Ukraine nicht als Nor­ma­li­tät zu akzep­tie­ren.

Lasst Kriege und Unrecht nicht zu einem Dau­er­rau­schen wer­den. Schaut euch das Spiel an, aber hört den Leu­ten zu, die mor­gen etwas sagen möch­ten“, for­derte Ittrich laut sport​.de in einem Video auf Twit­ter.

Und was sagt Vita­lii dazu? Ich frage Oksana, ob ihr Mann mir dazu zwei Fra­gen beant­wor­ten würde. Sicher, meint sie und schickt ihm meine Fra­gen via Whats­App. Lächelnd sagt sie mir wenige Minu­ten spä­ter: „Elke, Vita­lii ans­we­red. But very short…“ Wir müs­sen beide lachen, so rich­tig hat­ten wir wohl beide nicht mit Roma­nen gerech­net 🙂

Also, hier mein Mini-​​Interview:

Vita­lii, wie fin­dest Du es, dass heute Abend die­ses Bene­fiz­spiel ist?

Das ist toll. Gut gemacht Jungs. Vie­len Dank für Ihre Unter­stüt­zung der Ukraine !!!“

Wel­che Hoff­nung ver­bin­dest Du mit dem Spiel?

Sieg, nur Sieg !!!“

Übri­gens: Der Erlös des Spiels kommt laut BVB einer Orga­ni­sa­tion zugute, die Ukrai­nern in Not hilft. Und sollte der einen oder dem ande­ren in der WhatsApp-​​Unterhaltung noch die Frage von Oksana auf­ge­fal­len sein, ob Vera das Bade­zim­mer kau­fen könne 🙂 Nein, das konnte sie nicht – aber wir hat­ten wie­der einen sehr schö­nen „Wasch­tag“, im rosa­far­be­nen Mini Mouse Bade­man­tel, ein Geschenk bul­ga­ri­scher Nach­barn. Den zeige ich gern ein ande­res Mal …

 


Mon­tag, 25.4.22 – Still und (noch) nicht rie­sig

Die Oster­fe­rien lie­gen hin­ter uns, die Schule hat begon­nen und der All­tag ist wie­der da. Drau­ßen wird alles grü­ner & bun­ter, Frank­reich wird nicht rechts regiert und der Krieg? Ist immer noch da. Ich erhalte ein Video einer Köl­ner Freun­din, die weiß, wie sehr ich mich für die Kul­tur und die Men­schen in der Ukraine inter­es­siere. Auch Ulrike hat Kon­takt mit mei­nen neuen Freun­din­nen.

Die Schrift­stel­le­rin Mar­jana Gapo­nenko ist vom Krieg wie ver­wan­delt.

In die­sem kur­zen Film­bei­trag, den die Kul­tur­zeit auf 3sat zeigt (ab Minute 38.09), geht es um die Schrift­stel­le­rin Mar­jana Gapo­nenko. Sie, die seit 20 Jah­ren in Deutsch­land lebt, dachte wie so viele andere, das Thema Krieg habe sich erle­digt. Heute wis­sen wir, dass es nicht so war.

Sie berich­tet von ihrer Groß­mut­ter und ihrer Mut­ter, die „tough“ seien. Beide woll­ten auch heute nicht von Odessa weg­ge­hen. Sie berich­tet, wie beses­sen sie auf gute Nach­rich­ten warte, die jedoch nicht bes­ser wür­den. Und sie erwähnt ihren „ver­nich­ten­den Hass“, den sie erst­mals so zu füh­len in der Lage sei und wie dank­bar sie ist, dass die Trauer dazu­ge­kom­men sei. Die Trauer stütze und wärme sie von innen.

Ich emp­fehle die­sen stil­len Bei­trag, der ver­deut­licht, wie sehr die Ukrainer*innen, die neu oder län­ger schon in Deutsch­land leben, mit­lei­den. Aber auch, wie wahn­sin­nig stolz sie auf ihre Lands­leute sind. Mar­jana Gapo­nenko fühlt sich „gerührt und geseg­net“ und weiß, wie groß die­ses Wort ist. Der Krieg habe sie ver­wan­delt. Und ich denke bei mir, die ja trotz allem eine Outs­ide­rin ist, wie sehr auch mir die­ser Wan­del auf­fällt… Er kommt still und er ist nicht rie­sig, aber Men­schen wie Mar­jana sind keine Aus­nah­men, das spüre ich deut­lich.

 

Frei­tag, 22.4.22 – Sie tun es. Basta.

Ich schreibe das Inter­view mit den bei­den Ali­sas fer­tig – denn es gibt neben „mei­ner“ Alisa in Köln noch die Alisa, die bei mei­ner Schwes­ter in Frank­furt lebt. Beide Mädels sind fast gleich­alt und beide haben die glei­chen Fra­gen über das Ges­tern, das Heute und die Zukunft beant­wor­tet. Span­nend für sie, span­nend auch für unsere ohfa­moo­sen Leser*innen.

Dabei lerne ich in einem Tele­fo­nat mit der Hei­mat, wel­che neuen Pläne exis­tie­ren. Was für nach vorne stre­bende Frauen! Ich weiß noch nicht, ob ich alles genauso teile wie sie… aber ich weiß, dass ich beein­druckt bin von soviel Enga­ge­ment und Akti­vi­tät. Viele Müt­ter wün­schen sich das wohl von ihren Kin­dern. Die Ukrainer*innen zie­hen los in die Welt, soviel ist sicher. Sie müs­sen auch, ja. Aber sie tun es eben. Basta.

Noch bin ich in Ita­lien, wo sich die Welt anders dreht. Auch nicht alles dolce vita, aber doch eine Umdre­hung weni­ger, zumin­dest je wei­ter man nach Süden kommt. Apro­pos Umdre­hung, eben kommt ein Nach­bar und erkun­digt sich, ob wir noch genug vino haben… 🙂 Salute!

Und, ja, Baby­klei­dung gibt es hier natür­lich auch…

 


Diens­tag, 19.4.22 – In der ita­lie­ni­schen Sonne

Wir hal­ten wei­ter Kon­takt, natür­lich. Wäh­rend ich das kleine Para­dies von Angela in Ita­lien bestaune und wir uns viele (!) Geschich­ten von frü­her und aus der Gegen­wart erzäh­len, bleibe ich wei­ter mit mei­nem Handy und der Hei­mat ver­bun­den. So erfahre ich zum Bei­spiel, dass eine schöne Gärt­ne­rin 🙂 unse­ren Gar­ten bewäs­sert und dass Vera mitt­ler­weile die Baby­matratze zumin­dest nicht mehr kate­go­risch ablehnt…

Vino rosso auf der Ter­rasse

Und ich erlebe ein­mal wie­der, wie wert­voll Geschich­ten sind, derer wir uns erin­nern. Von sol­chen Erin­ne­run­gen lese ich auch in den Ant­wor­ten zweier Mäd­chen, die ich inter­viewt habe, um ihre Gefühle wäh­rend und nach der Flucht aus der Ukraine zu beschrei­ben. Ich hatte sie gebe­ten, auf 8 Fra­gen schrift­lich zu ant­wor­ten, zum Bei­spiel diese: Gibt es eine kleine Geschichte, die Euch in der Zeit, wo Ihr hier seid, beson­ders berührt hat? Wel­che?

Mit der Hei­mat ver­bun­den

Dar­über könnt ihr bald auf ohfa­moos lesen, denn das Inter­view ist noch nicht fer­tig… Aber klar ist: So sehr ich die ita­lie­ni­sche Sonne genieße, das Leben hier auf der Straße oder am See, so sehr fühle ich mich auch mit mei­ner Fami­lie und den neuen Freun­din­nen ver­bun­den, die nun auf unser Haus in der köl­schen Hei­mat auf­pas­sen.

 

 


Oster­sonn­tag, 17.4.22 – Bur­ger der Extra­klasse

Heute schreibe ich aus dem Zug. Denn wir haben Oster­fe­rien und erst­mals habe ich Oksana und Vera nach mehr als 4 (!)

So lecker! Wir wer­den gut ver­sorgt!

Wochen ver­las­sen… komi­sches Gefühl. Mein Mann und Sohn sind noch bei ihnen, aber beim Abschied stram­pelte Vera auf Mamas Arm so lebens­froh, dass ich fast nicht hätte fah­ren wol­len. Aber nur fast 🙂 Zu sehr lockt das schöne Ita­lien und die Aus­sicht, nach eini­gen Jah­ren (!) end­lich wie­der mit mei­ner Sch. zusam­men zu sein.

So schme­cken ukrai­ni­sche Bur­ger

Als High­light hat Oksana ges­tern geba­cken & gebra­ten. Sie hatte erfah­ren, wie sehr Soh­ne­mann Bur­ger liebt. Da hat sie dann erst die Bröt­chen geba­cken, dann diese unglaub­lich lecke­ren, saf­ti­gen Hack­fleisch­türme erstellt. Sogar ming Mann hat die Hefe­teile geges­sen, was er sonst nie macht. Die Brat­bu­den mit dem gel­ben M kön­nen ein­pa­cken 🙂

Am Tisch habe ich, weil das Fleisch von „mei­ner“ gelieb­ten Bio­metz­ge­rei so gut schmeckte, erfah­ren, wie wenig bekannt eine Umwelt­ak­ti­vis­tin wie Greta Thun­berg ist. Ja, man kennt sie, aber natür­lich gibt es in der Ukraine andere Her­aus­for­de­run­gen als Natur und happy cows.

 


Kar­frei­tag, 15.4.22 – So darf das Leben sein

Heute ist Pflanz­tag – denn die ges­tern erwor­be­nen Kräu­ter und Pflan­zen wol­len ins neue Hoch­beet. Das ist ziem­lich groß, unser Gärt­ner hat die Schub­karre sicher 50x hin und her­ge­scho­ben, bis der ganze Mut­ter­bo­den drin war und meine Beute aus dem Gar­ten­cen­ter sieht auf dem Beet spär­lich aus.

Der Ham­mer war: Als ich das „Grün­zeug“ shoppte, kam ein Fern­seh­team auf uns zu und fragte, ob sie ein Inter­view machen dürf­ten. Natür­lich habe ich damit über­haupt kein Pro­blem. Außer­dem liebe ich ja good news 🙂 Abends bei WDR aktu­ell konnte ich dann auch erzäh­len, dass wir das Beet sicher auch mit unse­ren neuen Freun­din­nen tei­len wer­den, schließ­lich haben sie Erfah­rung. Zumin­dest Babuschka, denn am nächs­ten Mor­gen zeigt mir Oksana Fotos vom Gar­ten ihrer Mut­ter und läuft mit ihrem Handy durch den Gar­ten, um ihr unser Grün zu zei­gen.

Es läuft rund. Ich könnte sagen: Frauen Zau­ber. (Ein­ge­weihte wis­sen, was ich meine… und vor allem eine, meine Freun­din Yvonne…) Aber es mischen ja nicht nur mein wun­der­ba­rer Sohn mit, auch mein Mann ist ein fes­ter Pfei­ler im gan­zen Kon­strukt.

Wir kön­nen alle stolz sein, wie es läuft!

Offen­her­zig hat er die Damen emp­fan­gen, ist für sie da und fühlt sich nicht gestört – einige mei­ner Freun­din­nen könn­ten sich das mit ihren Män­nern eben nicht vor­stel­len. Also, Cha­peau, und: Dass es so läuft, wie es läuft, ist eine Gemein­schafts­leis­tung. Und auf die kön­nen wir alle stolz sein, egal wel­ches Geschlecht, egal wel­che Natio­na­li­tät. So darf das Leben sein!

 


Don­ners­tag, 14.4.22 – Das kleine Glück

Ges­tern hat­ten wir einen lus­ti­gen Abend zu sechst: Oksana (und Vera), ihre Freun­din Olga, meine Freun­din Nicole und unser Sohn. Eigent­lich war ich „nur“ mit Nici ver­ab­re­det, denn wir woll­ten über das neue, große Hoch­beet spre­chen, das nun über Ostern an den Start geht bei uns im Gar­ten. Aber dann waren wir doch ein paar mehr 🙂 Wir haben – dem net­ten Markt­ver­käu­fer aus dem Iran sei Dank – leckere Thun­fisch­paste, ein­ge­leg­ten Zwie­beln und Boh­nen getes­tet, dabei ein Kölsch und eine Fla­sche Rot­wein. Und für Soh­ne­mann Erd­bee­ren mit Yoghurt. Voila. Mehr braucht es nicht zum klei­nen Glück.

Auch im Auto kann man sicher spie­len.

Heute steht mein 1. Sozi­al­amts­ter­min an, denn dort­hin begleite ich meine Schütz­linge. Ich bin gespannt, wie es wird. Zu hören ist, wie voll es mitt­ler­weile auf diver­sen Ämtern ist, was ja auch keine Frage ist. Es hilft unge­mein, hier mit direk­ten Durch­wah­len zu „ope­rie­ren“.

Fish & Chips in Wid­ders­dorf

Ges­tern Mit­tag hat­ten wir einen klei­ne­ren „Aus­flug“ auf dem Pro­gramm: Lunch­time mit Fish & Chips. Denn beim Wid­ders­dor­fer Ver­kaufs­stand vom Gut Cla­ren­hof steht mitt­wochs immer ein Food Truck aus Dor­ma­gen. Sehr zu emp­feh­len, gute Qua­li­tät, nette Jungs. Vor­her ver­gnügte sich Vera noch im Auto mit Soh­ne­mann 🙂

 


Diens­tag, 12.4.22 – Auf der Ersatz­bank

Oft wird gefragt: Und, wie rea­giert Euer Sohn auf das neue Leben? Die Ant­wort ist: Sehr gut. Es gibt wenige Situa­tio­nen, wo er das Baby nicht nach vorne stellt – im wahrs­ten Sinne des Wor­tes. Nur dann, wenn ein rich­tig gutes Fuß­ball­spiel ist (bitte mich nicht fra­gen, wann genau das ist :-)), ist Vera chan­cen­los – oder um im Bild zu blei­ben: sitzt (bzw. steht) die Süße auf der Ersatz­bank. Wir hat­ten ein­fach Glück: Die Che­mie stimmt. Zwi­schen uns allen. Natür­lich sind wir anders, aber so ähn­lich dann doch, dass es klappt.

Abends bin ich aber manch­mal von jetzt auf gleich so müde, dass ich auf der Stelle ein­schla­fen könnte. Dann denke ich immer: Ist ja auch kein Wun­der. Denn inner­lich ver­ar­bei­ten wir ja alle so viel. Und wenn ich dann den Feh­ler mache und doch noch eine Fern­seh­sen­dung zum Thema Ukraine anschaue – wie ges­tern Hart aber Fair – kann ich dann doch nicht ein­schla­fen. Zu sehr sind mir die Aus­sa­gen von Ralf Fücks oder Alex­an­der Graf Lambs­dorff im Kopf und schon sind sie wie­der da, die Bil­der von But­scha.

Dann ver­su­che ich an die net­ten Situa­tio­nen des Tages zu den­ken, zum Bei­spiel als wir ges­tern zur Spar­kasse gin­gen, um nach dem Fort­schritt der Kon­to­ein­rich­tung zu for­schen (gibt es jeman­den, bei dem es jemals geklappt hat, dass eine PIN-​​Nummer recht­zei­tig geschickt wurde?? 🙂 ). Da läuft uns eine Katze über den Weg und meine Weg­ge­fähr­ten – die­ses Mal waren nicht nur „meine“ Oksana und Vera dabei son­dern auch „die andere“ Oksana, unsere Freun­din und Mut­ter von Alisa. Und die bei­den Frauen dis­ku­tie­ren, wie alt ihre Kat­zen wur­den. 27, ist meine Oksana über­zeugt. Ich staune. Ihre Freun­din ist sicher: „Ні, кіт дожив до 22 років!“ Also, ich über­setze, „nur“ 22 Jahre. Ich staune immer noch.

Über­all Men­schen, die ler­nen, sich erin­nern, lachen wol­len

Es ent­schei­det: die Babuschka. Denn sie wird ange­ru­fen und weiß sofort, dass es tat­säch­lich 22 Jahre waren. Das Krasse aber ist, sie sagt das in deutsch! Sie sagt: „Zwei­und­zwan­zig Jahre.“ In die­sen Momen­ten werde ich sehr ruhig – und kann die ganze Welt nicht ver­ste­hen. Denn über­all leben doch Men­schen, die ler­nen, sich erin­nern, lachen wol­len. Ob jung oder alt, ob Mensch oder Tier. Wo Häme, gar Krieg kei­nen Platz haben.

Als wir nach Hause kom­men und ich mein Note­book auf­schlage, sehe ich den Auf­tritt unse­rer – ich muss heute schon schrei­ben – Ex-​​Bundesfamilienministerin. Anne Spie­gel war nur wenige Monate im Amt. Auch auf mei­ner Face­book­seite wird sich in den fol­gen­den Stun­den eine Dis­kus­sion erge­ben, in der sich Befür­wor­ter und Geg­ner des Rück­tritts aus­tau­schen. Und selbst unter zivi­li­sier­ten Men­schen wird spür­bar: Miss­gunst und Neid sind auch hier ver­tre­ten. Das eigene Hemd ist eben stets das nächste.

Ich bin sehr bei mei­ner Blogger-​​Kollegin Sonja Ohly, die unse­ren gest­ri­gen Bei­trag auf ohfa­moos mit den Wor­ten begann: „So lang­sam ver­liere ich die Geduld mit Deutsch­land.“ Piano. Erst­mal werde ich mich für ein paar Tage in Ita­lien aus­ru­hen…

 


Mon­tag, 11.4.22 – Смачно!

Ges­tern habe ich nichts geschrie­ben und den­noch ist wie­der viel pas­siert. Vor allem musste ich über ein Gespräch mit deut­schen Freun­den und einem Pär­chen, gebür­tig aus Minsk, nach­den­ken. In die­sem ging es um die Frage: Tun wir genug? Dass viele in Deutsch­land viel tun, gar keine Frage. Aber ob die Hilfs­be­reit­schaft wirk­lich im deut­schen Bür­ger­tum ange­kom­men ist und vor allem, wie lange sie dort ver­bleibt, ist für mich eine offene Frage.

Es ist fan­tas­tisch, was ein­zelne Initia­ti­ven tun, bewir­ken! Die Spen­den­be­reit­schaft ist rie­sig – sie ent­las­tet auch ein wenig davon, wenn man im All­tag nicht mehr tun kann/​will. Aber es ist ja gut, wenn es ein Mix ist. Denn das Geld muss ja auch da sein, schon klar. Und was Insti­tu­tio­nen wie Ämter, Schu­len und auch pri­vate Orga­ni­sa­tio­nen tun, ist gut.

Der Prä­si­dent soll dank­ba­rer sein??

Was ich nur gar nicht ver­trage, ist, wenn Men­schen mei­nen, „die Ukrai­ner“ oder gar ihr Prä­si­dent soll­ten dank­ba­rer sein. Manch­mal lese ich davon und auch Stim­men in mei­nem Bekann­ten­kreis wur­den lau­ter… Das finde ich per­fide: Ent­we­der gebe ich oder ich lasse es. Und schon gar nicht erwarte ich von Men­schen, denen das Was­ser bis zum Hals steht, Dank­bar­keit. Aber das ist ein ande­res Thema.

Oksana, Vera und ihren Freun­den geht es jeden­falls gut. Soweit ich das beur­tei­len kann. Die Kleine juchzt oder gluckst wei­ter laut vor sich hin, und unter uns Frauen hat sich ein sehr schö­ner Humor ent­wi­ckelt. Und es wird wei­ter viel gekocht, beson­ders gern Chi­cken. Geges­sen wird also defi­ni­tiv genug. Смачно!

 


Sams­tag, 9.4.22 – Das Sofa wird besetzt

Leu­ten, die uns bewun­dern, dass wir „so etwas“ machen, sage ich zwei Dinge. Ers­tens: Machen ist kras­ser als wol­len. Heißt: Wir kön­nen doch nicht immer reden, was wir alles Gutes tun wol­len, und dann flö­tend um die Ecke ver­schwin­den. Zwei­tens: Es kommt so viel zurück. Punkt.

Wir haben jeden­falls viel Spaß, bei allem Leid, was es natür­lich gibt. Wenn Oksana mir ein Handy-​​Video zeigt, dass ihr ein Freund aus But­scha geschickt hat, dann sind wir ohne Worte. Aus der Stadt, wo die Mas­sa­ker statt­fan­den. Jemand aus ihrem Freun­des­kreis betrat genau dort seine Woh­nung und fand sie: ver­wüs­tet. Sie haben alles aus­ein­an­der­ge­nom­men. Mit­ge­nom­men, was ihnen passte. Schlim­mer: Sie haben dort gekocht und geschla­fen und sogar auf dem Klo und im Bad ihre Sch….. hin­ter­las­sen. Ein­fach wie­der­wär­tig und skru­pel­los.

Wen­den wir uns dem Guten zu – unse­rem Sofa. Denn das ist nun erst­mals seit heute Schlaf­platz von Vera gewor­den. Da sie momen­tan noch nicht ohne ihre Mut­ter in den Schlaf fin­det, war das ein Rie­sen­schritt, dass sie dort wenigs­tens für kurze Zeit ihre Ruhe fand. Dar­über freuen wir uns. Und dar­über, dass ihre Freun­din und Sohn nun Neu-​​Widdersdorfer sind. Die Gemein­schaft wächst!

 


Frei­tag, 8.4.22 – Risotto schlägt Brok­koli

Diese Nacht war Sturm, Gott­lob „nur“ die Natur, die ihre power mal wie­der zeigte. Vera lief wohl auch Sturm, Mama Oksana hatte erneut keine gute Nacht. Was aber ist das alles gegen die Stürme wei­ter öst­lich?

Ges­tern berich­tete mir ein Mann Ü70, wie er mitt­ler­weile auf seine Krank­hei­ten schaut: Klar, er müsse noch mal ope­riert wer­den. Aber das rela­ti­viere sich ja alles mit Blick auf. .. So sehen wir das auch und sind wei­ter froh, etwas tun zu kön­nen. Und wenn es nur das ist: Einer Arzt­pra­xis auf­zu­zei­gen, dass man mit einer 16jährigen jun­gen Frau, die gerade neu in Deutsch­land ist und eine Flucht­ge­schichte hin­ter sich hat, anders umgeht. Denn Alisa hatte in der Pra­xis den ihr vom Sozi­al­re­fe­rat aus­ge­hän­dig­ten Über­wei­sungs­schein abge­ge­ben, der aber lei­der – wir sind im Quar­tal 2 – nicht mehr gül­tig war. Anstatt das Mäd­chen ordent­lich zu behan­deln, wurde sie weg­ge­schickt. Die Pra­xis wird von mir hören.

Wenn die Babuschka auf dem Handy erscheint

Wäh­rend ich schreibe, köchelt in der Küche mein Risotto. Heute war ich früh dran, obwohl auch Oksana schon wie­der etwas gekö­chelt hatte – eine gesunde Suppe für ihr Baby. Und ihre Mut­ter – ich rufe dann immer „Ah, Babuschka“, wenn sie auf dem Handy erscheint – war par­al­lel auch beim Suppe kochen. Mit Brok­koli. Da hat mein Sohn ja Glück gehabt – dann schon lie­ber Risotto als die­ses grüne gesunde Zeugs 🙂

 


Don­ners­tag, 7.4.22 – Mal wie­der Krab­bel­gruppe

Lang, lang ist’s her. Damals saß ich auch auf diver­sen Tep­pich­bö­den. In der Mitte brab­belnde kids, wir haben A Ram Sam Sam gesun­gen und jede Mut­ter war froh für ein bis zwei Stun­den Ablen­kung.

Krabbelgruppe
Gemein­sam geht vie­les noch bes­ser – auch in der Krab­bel­gruppe.

Eine sol­che Krab­bel­gruppe habe ich heute Oksana und Vera gezeigt. Die evan­ge­li­sche Kir­che in unse­rem Vee­del macht u.a. auch enga­gierte Fami­li­en­ar­beit, Krab­bel­gruppe inklu­sive. Drei Babys in fast glei­chem Alter mach­ten ihre Bekannt­schaft, nach den Oster­fe­rien geht es wei­ter.

Ich habe heute noch super­schöne Erin­ne­run­gen an „meine“ Krab­bel­grup­pen, und drei Freun­din­nen aus die­ser Zeit sind uns nach wie vor treu.

Für Trä­nen muss sich nie­mand ent­schul­di­gen

Plus: Wir berei­ten uns dar­auf vor, dass mor­gen zwei wei­tere Ukrai­ner, eine Freun­din von Oksana und ihr fast erwach­se­ner Sohn in Köln ankom­men wer­den. Sie errei­chen Wid­ders­dorf über Polen. Als ich am Mit­tag mit einem mei­ner älte­ren Chefs aus CDU-​​Zeiten tele­fo­niere (wir haben unge­fähr zur glei­chen Zeit Geburts­tag und errei­chen uns oft erst Tage spä­ter), bricht die­ser am Tele­fon in Trä­nen aus. Ich kann ihn gut ver­ste­hen und dafür muss sich nie­mand ent­schul­di­gen. Wir sind alle in Sorge, was aus der Ukraine wird.

Eine Münch­ner Freun­din hat ihre Gedan­ken kürz­lich in mei­nem Blog ohfa­moos kund­ge­tan – trös­tende Worte, wenn wir Angst haben oder ein­mal wie­der nicht wei­ter wis­sen..


Mitt­woch, 6.4.22 – Satt und glück­lich

Ges­tern gab es ein lecke­res Reis­ge­richt mit Kur­kuma, das Oksana für uns gekocht hat. Ich liebe es, neue Dinge aus­zu­pro­bie­ren. Beim Essen erfuhr ich, dass es gar nicht ukrai­ni­sche Koch­kunst sei, son­dern ein Gericht aus Usbe­kis­tan.

Und siehe da, als ich es recher­chiere, finde ich es auch sofort: Usbe­ki­scher Plow. Wow, an unse­rem Ess­tisch kommt ein Reis­ge­richt aus Mit­tel­asien frisch auf die Tel­ler. Das macht satt und glück­lich.

Still­be­ra­tung beim Fri­seur?

Und ich muss immer noch lächeln über das, was ich ein paar Tage schon auf­schrei­ben wollte, aber ehr­lich, hier pas­siert gerade so viel, manch­mal muss ich die Erleb­nisse hor­ten. Also, ich gehe bei unse­rem Fri­seur „umme Ecke“ vor­bei, der auf der Fens­ter­scheibe für sich wirbt. Komisch, denke ich, der macht jetzt auch Still­be­ra­tung? Sekun­den spä­ter muss ich lachen, über mich selbst. Denn natür­lich steht da nicht Still­be­ra­tung! Der Fri­seur bleibt bei sei­ner STIL­be­ra­tung… Sachen gibt’s. 🙂

 


Diens­tag, 5.4.22 –Bulle, Stier oder Ochse?

Ges­tern Abend musste ich mehr­fach – beim Voka­bel­ü­ben mit Alisa – schwer über­le­gen. Deut­sche Spra­che, schwere Spra­che. Aber auch in Bio hätte ich bes­ser auf­pas­sen müs­sen, damals 🙂 Heißt die männ­li­che Kuh nun Bulle, Stier oder Ochse?

Und ich war echt stolz auf meine Süßkartoffen-​​Möhrensuppe. Ich, die noch vor 12 Jah­ren in Mün­chen haupt­säch­lich Sushi bestellte 🙂 Aber diese Suppe schmeckte vor allem auch dem Baby! Das mal nicht nach Hüh­ner­bein­chen rief, son­dern mit Appe­tit die Suppe löf­felte, auf dem Schoß von Frau Mama.

Und da ich bald meine liebe Freun­din Angela, die wilde Köchin, wie­der­se­hen werde – hier noch ein „gehei­mes“ Rezept von ihr mit eben jenen Süß­kar­tof­feln, die wir beide so lie­ben. Nein, das wird Vera nicht essen, aber viel­leicht Ihr?

 


Mon­tag, 4.4.22 – Zuwachs auch im Gar­ten

Nein, diese Woche ist defi­ni­tiv kein Gar­ten­wet­ter, doch der Mor­gen hat in Köln sehr schön son­nig begon­nen! Da musste ich doch gleich mal die Gar­ten­stühle zurecht­rü­cken.

Ich bin sicher, das ergibt einen Kom­men­tar aus Ham­burg… Denn den grauen und den grü­nen Stuhl habe ich dort gekauft, bei BeSe­a­side. Geschrie­ben habe ich über diese ent­span­nen­den Stühle auch schon. Und den Baby­stuhl haben wir bekom­men über das super­gute Netz­werk bei uns im Vee­del: Wid­ders­dorf hilft. Nach­bar­schafts­hilfe der Extra­klasse.

 

Sonn­tag, 3.4.22 – Post nach Köln

Das dritte Wochen­ende mit unse­ren Gäs­ten geht zuende. Ich muss mich immer noch mor­gens, wenn ich auf­wa­che, knei­fen: Ist das wirk­lich alles so, wie es ist? Und dann sit­zen wir beim Früh­stück, die Wohn­zim­mer­tür öff­net sich und Mama und Baby kom­men rein. Eine gluck­sende Vera mit­samt Oksana, die von einer Nacht berich­tet, die „ok“ war. Ich weiß, was sie damit meint… So toll das 1. Lebens­jahr ist, so krass sind doch die Nächte. Und lei­der wer­den sie auch noch immer mal wie­der hef­tig sein, die nächs­ten Wochen.

Frau­en­ver­stän­di­gung as its best – Post aus Wup­per­tal

Heute durfte ich ihr eine kleine Über­ra­schung auf den Früh­stücks­tisch legen. Ihre 1. Post. Meine Mut­ter hatte ihr an unsere Köl­ner Adresse geschrie­ben und sie will­kom­men gehei­ßen sowie nach Wup­per­tal ein­ge­la­den. Frau­en­ver­stän­di­gung as its best. Und über mei­nen Vater, den Oksana schon an mei­nem Geburts­tag ken­nen­ge­lernt hat, sagte sie: „He is a cool man.“ Und meinte damit, wie sehr sich Opa für sei­nen Enkel inter­es­siert, Fuß­ball mit ihm spielt und dass er sich so gut mit dem Iphone aus­kennt 🙂

Ja, es ist gut zu wis­sen, wenn Fami­lie funk­tio­niert. Und ich hoffe instän­dig, dass sich auch alle ukrai­ni­sche Fami­lien wie­der­fin­den wer­den, one day!

 


Sams­tag, 2.4.22 – Rot-​​weiss lässt jubeln

Ges­tern Abend gab es erst­mals Borschtsch in unse­rem Wohn­zim­mer. Ich gehe frei­tags­abends, wann immer es geht, zum Yoga. Und wäh­rend ich mich von Leh­re­rin Jas­mine Casa­grande ver­ab­schiede, habe ich schon Appe­tit (nicht unüb­lich in mei­ner Fami­lie, wir essen mehr als gern 🙂 ). Frü­her hatte mein Mann den Tisch „arran­giert“ und den Kühl­schrank geräu­bert. Jetzt erwar­ten mich eine kalte Platte mit Käse, Schin­ken­speck und Salami, dane­ben Roséwein und natür­lich ein Becher Schmand.

Wer kann dazu schon Nein sagen?

Very import­ant“, sagt Tat­jana, der Besuch aus der Lan­des­haupt­stadt, die fröh­lich ser­viert. Sie und ihr acht­jäh­ri­ger Sohn wer­den spä­ter Stun­den brau­chen, um öffent­lich zurück nach Düs­sel­dorf zu kom­men. Ein Zug war gecan­celt, sie errei­chen ihr pro­vi­so­ri­sches Zuhause um zwei Uhr mit­ten in der Nacht.

Heute ist ein ganz beson­de­rer Tag für unsere Jungs und Män­ner – sie gehen zu For­tuna Köln. Oksana freut sich am meis­ten – dar­über, wel­che Freude unser Sohn zum Aus­druck bringt. Er jubelt und meint tro­cken, da er jetzt ja nicht die FC-​​Sachen anzie­hen könne, würde er sich eben schlicht rot-​​weiß klei­den. Ich mag Kom­pro­misse – und freue mich auf einen ruhi­gen Nach­mit­tag 🙂

 


Frei­tag, 1.4.22 – Ein klei­nes biss­chen Irmi

Heute kommt Besuch. Nicht Freunde von uns, aber eine Freun­din von Oksana, die mit Kind aus Düs­sel­dorf vor­bei­kom­men will. Mich freut das sehr, dass sie das macht – zeigt es doch, dass sie unser Haus mehr und mehr annimmt und es selbst­ver­ständ­li­cher wird, hier zu leben. Vor­her wer­den wir die kleine Maus bei „unse­rer“ Kin­der­ärz­tin vor­stel­len, denn der Hus­ten will nicht weg­ge­hen. Ich muss lächeln, wenn Alisa mir Oksa­nas Befürch­tung über­setzt, ob Vera viel­leicht eine Lun­gen­ent­zün­dung haben könnte. Es scheint inter­na­tio­nal zu sein, dass sich Mamas zu viel sor­gen, denn obwohl ich natür­lich keine Ärz­tin bin, schließe ich das kom­plett aus. Vera hat ver­mut­lich irgend­ei­nen Infekt, aber apa­thisch ist anders, kein Fie­ber usw. Doch es ist sicher gut, einen Spe­zia­lis­ten zu fra­gen, klar.

Im ers­ten Baby­jahr beim Kin­der­arzt

Und mir fällt ein, und des­halb lächle ich inner­lich, wie oft ich mit unse­rem Sohn in den ers­ten Mona­ten zum Kin­der­arzt ging. Und der gute Mann gütig zu mir sagte: „Machen Sie sich keine Sor­gen, Frau Ton­scheidt, im ers­ten Baby­jahr sieht der Kin­der­arzt das Baby oft öfter als die Groß­el­tern…!“

Das Kin­der­zim­mer besucht Vera auch gern…

Also, berei­ten wir uns auf Düs­sel­dorf vor … Ich kenne die Stadt ja gut, nicht nur, dass ich gebür­tig aus dem Kreis Mett­mann bin. Wir haben dort ja auch 5 Jahre gelebt und Paul hatte dort die beste Kin­der­gar­ten­zeit, die ich mir vor­stel­len kann. Inklu­sive einer ganz tol­len Tages­mut­ter, an die ich der­zeit auch viel den­ken muss. Irgend­wie bin ich ja gerade auch „so ein klein biss­chen Irmi“ 🙂

 


Don­ners­tag, 31.3.22 – Heute war Opa da

Heute war also Opa da. Natür­lich nicht per­sön­lich, denn gerade ältere Men­schen sind ja die beson­ders Leid­tra­gen­den im russisch-​​ukrainischen Krieg. Aber Opa lachte aus dem Handy und war so über­glück­lich, sein Enkel­kind zu sehen. Und Vera gluckste auch beson­ders nied­lich, ging sogar – an zwei Hän­den hal­tend – tor­kelnd auf ihn zu. „We leave Vera here“, lachte die Mama und der Pro­test aus der Ukraine war deut­lich zu hören 🙂

Momente, wo wir glück­lich sind. Sol­che Momente stel­len sich immer öfter ein – z.B. wenn Bryan Adams „Please for­give me“ aus dem Radio singt – und wir mit. Das ver­bin­det unge­mein. Und wir lachen gemein­sam, wenn ich ein Baby­foto bekomme, das Vera mit prall gefüll­ter Win­del zeigt und ich zurück frage: „Too much Wodka?“

Nein, wir ver­ges­sen den Krieg nicht. Aber wir ver­su­chen gemein­sam, das Beste aus die­ser wie­der­sin­ni­gen Situa­tion zu machen.

Es wird viel gekocht, unser Haus riecht vor allem ab dem Nach­mit­tag nach gerös­te­tem Knob­lauch und in der Pfanne brut­zelt Oksana etwas Lecke­res.

Noch mache ich immer – wie frü­her, als wir noch alleine waren – eine Abend­pla­nung. Da unser Sohn an vier Tagen in der Schule isst, essen wir abends kalt. Nicht so unsere Gäste! Wie sagte kürz­lich eine andere Gast­mut­ter bei Hart aber Fair im WDR? „Wir bekom­men jeden Tag etwas lecke­res War­mes auf den Tisch“, und sie freute sich sehr dar­über. Das tun wir auch und ich denke, das Kochen hilft auch unse­ren Gäs­ten sich sinn­voll zu beschäf­ti­gen. Win Win, nennt man das, oder?

 


Mitt­woch, 30.3.22 – Bald sind es 5 Wochen

Heute beginne ich mein Tage­buch Ukraine. Ich sitze, wie so oft, am frü­hen Mor­gen an mei­nem lap­top. Drau­ßen im Gar­ten ein Vogel­kon­zert der Extra­klasse. Der Milch­kaf­fee und die Vogel­stim­men wecken auch meine Lebens­geis­ter, denn ich habe so fest geschla­fen wie lange nicht. Dabei ist in der Ukraine natür­lich nach wie vor Krieg. Und im Mor­gen­ra­dio war­nen die Stim­men heute erst­mals vor einer dor­ti­gen Hun­gers­not… als wäre die Zer­stö­rung, die schon jetzt ange­rich­tet wurde, nicht schon schlimm genug.

Ich schreibe das, weil der Krieg mor­gen, am 31. März, fünf Wochen weilt. Und ich merke an mir selbst, wie sich eine Art Gewöh­nung an die­sen so kras­sen Zustand breit­macht. Der Mensch gewöhnt sich an alles, heißt es. Auch an Krieg?

Dabei spü­ren wir hier ja so wenig und wir haben die kleine Vera eben, als wir früh­stück­ten, nur leise krä­hen gehört, ver­mut­lich weil sie kurz wach wurde. Jetzt ist es in ihrem Zim­mer wie­der still. Mama und Baby sind hof­fent­lich wie­der ein­ge­schla­fen.

Sie erho­len sich lang­sam von den Stra­pa­zen, man kann es ihnen anse­hen und es freut mich so. Wäre da nicht die­ser furcht­bare Krieg…

 

Was ich ansons­ten mache? Ich schreibe. Täg­lich. Nicht immer „nur“ über die Ukraine, aber viel. Hier im Tage­buch Ukraine könnt Ihr mit­le­sen. Und gerade heute wurde auch mein 1. Arti­kel über das Leben mit unse­ren neuen Freun­den ver­öf­fent­licht:

Ask Alisa! titelt Meine Süd­stadt.

 

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3 Ant­wor­ten zu “Unser Leben mit Oksana und Vera – mein Tage­buch”


  • Jea­nette Ver­waal

    Ein durch und durch herz­er­wär­men­der Bericht. Ein klei­ner Licht­blick in die­ser trau­ri­gen, erschüt­tern­den Zeit! Ein Beweis dafür, dass die Mensch­lich­keit nicht zu Grunde geht! Auch wenn sie die­sem Unmen­schen Putin ver­lo­ren gegan­gen ist!
    Danke für die­ses schöne Tage­buch, an dem wir als Leser nun teil­ha­ben dür­fen!

  • Sonja Ohly

    Liebe Elke,

    was für eine tolle Idee Deine Erfah­run­gen mit Oksana und Vera auf­zu­schrei­ben, denn wie schnell ver­ges­sen wir doch die klei­nen glück­li­chen Momente.
    Deine Erzäh­lun­gen strah­len so viel Wärme und Freude aus, so dass ich mich sehr für Oksana und Vera freue, dass sie bei Euch gelan­det sind. Für sie hoffe ich wei­ter, dass der Krieg bald been­det sein möge.

  • Simon Schlatt­mann

    Liebe Elke,

    erst­mal herz­li­chen Glück­wunsch an die kleine Vera. Ein Jahr! Happy Birth­day! Was für ein Geschenk, dass sie ihren ers­ten Jubel­tag zwar fernab der Hei­mat, aber offen­sicht­lich in einem warm­her­zi­gen Fami­li­en­um­feld fei­ern kann. Wie schön 🙂

    Ein ergrei­fen­der Bericht, den ich in so vie­len Berei­chen tei­len kann. Hut ab vor eurem bür­ger­schaft­li­chen Enga­ge­ment! Und vie­len Dank!

    Bei uns im Fami­li­en­haus am UKM leben der­zeit in 14 Zim­mern eben­falls Kriegs­ge­flüch­tete aus der Ukraine. Meist Müt­ter mit ihren Kin­dern und in man­chen Fäl­len lei­der auch Fami­lien mit krebs­kran­ken Kin­dern, die im UKM behan­delt wer­den. Wir sind dank­bar, dass wir sie unbü­ro­kra­tisch hier haben unter­brin­gen kön­nen, dass die Stadt Müns­ter sofort den Groß­teil der Finan­zie­rung über­nom­men hat und dass eine Groß­zahl von Spen­dern einen Sozi­al­fonds finan­ziert, der uns wei­ten Hand­lungs­spiel­raum ermög­licht.

    Am dank­bars­ten sind wir aber für die Momente des Frie­dens: Wir haben auch rus­si­sche Fami­lie im Haus. Es gibt kei­nen Krieg zwi­schen unse­ren Gäs­ten. Sie essen zusam­men, sie kochen zusam­men und der ein­zige Papa im Haus spielt mit ukrai­ni­schen und rus­si­schen Kin­dern im Gar­ten zusam­men Fuß­ball. Ala wäre die Welt in Ord­nung, für die­sen Moment ist sie das auch. Eine wahre Freude, die wir vol­ler Demut und Dank­bar­keit anneh­men.

    Vie­len Dank, liebe Elke, für dein Enga­ge­ment und dei­nen offe­nen Bericht. Wei­ter so;-)

    Herz­lichst

    Simon


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